Aesthetic Education of the Human Being
The concept of social sculpture has numerous precursors, emerging for the first time about 200 years ago before achieving the succinct form that it was given by Beuys.
One of the first formulations of 'social sculpture' can be found in Friedrich Schiller's "Letters upon the Aesthetic Education of the Human Being" ("Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen"), which he wrote in 1792 in reaction to the French Revolution, and in which he develops the idea of the aesthetic state as an alternative to the Revolution. Schiller, initially named an honorary citizen of the Revolution, is appalled to see the dramatic developments to which the revolutionary process has led since its eruption in 1789.
Schiller attributes these developments to two things: on the one had, to the coercion employed by the revolutionaries to enforce their ideals of liberty, equality and fraternity; on the other, to the excesses of the Parisian proletariat who, spurred on by Jacobin propaganda and years of pent-up hatred, have cast aside all restraint and, as Schiller puts it, rush headlong into a kind of animal gratification. Indeed, it was the warped Jacobin ideas of the welfare state, the terror of so-called 'revolutionary reason' and a bourgeoisie that had lost all inhibitions that led to the trauma of the September Massacres of 1792, when almost 2000 people were killed by the Parisian mob.
Schiller was, however, not too blind to notice that the powers of the Ancien régime had become corrupt. For many years, he had himself been exposed to the tyranny of absolutist authority in the Duchy of Württemberg, only narrowly escaping arrest by the secret police, and undergoing great personal deprivation in order to pursue his career as a writer. There was therefore no doubt in Schiller's mind that the time was ripe for a civil restructuring of the state - that something new and more substantial needed to emerge, a social organism that was more in tune with the needs of modern humanity.
And so he asked himself how the old could be transformed into something better without -like the revolutionaries- simultaneously wanting to smash it; without automatically leading to the atrocities of the French Revolution. His experience as an artist had shown him that change could not occur under compulsion, but rather through insight, experience and inner transformation. And so he became convinced that a decent and rational state would only emerge if it was upheld by the inner convictions of its citizens.
A state such as this - in which individuals' inner convictions cause them to desire what is best for the whole - is what Schiller calls the aesthetic state. This inner process of transformation could only be achieved through aesthetic - that is artistic - education. Responsibility was something for which people's hearts needed to be prepared. This was most likely to occur if education was offered without coercion and if people could learn, instead, to be creative. Schiller conceived of the aesthetic state neither as a 'natural state' nor as a 'rational state', but rather as a state in which artistic perception and insight leads people to behave in a way that benefits everyone. Then even the legislative and executive power that the state must inevitably exert in order to protect its citizens would diminish to the extent that people internalised laws, complying with them because of their own striving after moral beauty and perfection. According to Schiller, if people were aesthetically educated, the state would not have to become a dictatorship that forces its citizens to do its will.
Through 'play' people learn to act ethically, and in this sense become beautiful. This was the principal idea of the aesthetic letters that Schiller wrote in 1794 to Prince Friedrich Christian von Schleswig-Holstein-Augustenberg.
Text: Wolfgang Zumdick Translation: Rachael Barham
Die Idee der Sozialen Plastik hat zahlreiche Vorläufer und erschien zum ersten Male vor ca. 200 Jahren, bis sie die prägnante Form, die Beuys ihr gegeben hat, erhielt.
Eine erste Formulierung finden wir in den von Friedrich Schiller als Reaktion auf die französische Revolution formulierten „Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen" von 1792, in der er die Idee eines ästhetischen Staates als einer Alternative zur französischen Revolution entwickelt. Schiller, von den Republikanern zunächst zum Ehrenbürger der Revolution ernannt, ist entsetzt, als er sieht, zu welch dramatischen Entwicklungen der im Jahre 1789 entfachte revolutionäre Prozess führt.
Er führt sie einerseits auf den Zwang, mit dem die Revolutionäre ihre Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durchsetzen wollen zurück, andererseits auf die Ausschreitungen des Pariser Proletariats, das, angefeuert durch den jahrelang aufgestauten Hass und die Propaganda der Jakobiner alle Hemmungen verliert und, wie Schiller schreibt mit unlenksamer Wut seiner tierischen Befriedigung zueilt. Und tatsächlich waren es die pervertierten jakobinischen Ideen vom Wohlfahrtsstaat und der Terror einer so genannten revolutionären Vernunft auf der einen Seite und das völlig enthemmte Bürgertum auf der anderen, die zu dem Trauma der Septembermorde von 1792 führten, als fast 2000 Menschen vom Pariser Mob ermordet werden.
Schiller war andererseits allerdings nicht so blind, nicht zu registrieren, dass die Kräfte des ancien régime abgewirtschaftet hatten. Er selbst war der Willkür absolutistischer Herrschaft über Jahre im Herzogtum Württemberg ausgesetzt gewesen und hatte nur mit Not der Verhaftung durch die Geheimpolizei entkommen und unter großen persönlichen Entbehrungen seine Karriere als Schriftsteller planen können. So war es für Schiller keine Frage, dass die Zeit reif für eine bürgerliche Neuorganisation des Staates sei, nur sollte etwas Neues, Wesenhafteres, ein den Bedürfnissen des modernen Menschen angemessenes Gemeinwesen entstehen.
So stellte er sich die Frage, wie man das Alte zu einem Besseren wenden könne, ohne es, wie die Revolutionäre, gleich zerschlagen zu wollen, sprich ohne dass es dabei zu den Greueln der französischen Revolution führen würde. Seine Erfahrung als Künstler zeigte ihm, dass eine Veränderung nicht durch Zwang, sondern durch Einsicht und Erfahrung, sprich durch eine innerliche Transformation entstehen könne. Und so kam er zu der Überzeugung, dass ein vernünftiger Staat nur dann entstehen werde, wenn er von der inneren Überzeugung seiner Bürger getragen werden werde.
Einen solchen Staat aber, in dem die Einzelnen aus innerer Überzeugung wünschen, was für die Gesamtheit das Beste ist, nannte Schiller den ästhetischen Staat. Nur durch ästhetische, das heißt künstlerische Erziehung könne man diesen inneren Verwandlungsprozess bei den Menschen erreichen. Die Menschen müssten in ihren Herzen auf ihre Verantwortung vorbereitet werden und das könne am besten dann geschehen, wenn bei der Erziehung kein Zwang angewendet werde, sondern, im Gegenteil, die Menschen lernten, kreativ zu sein. Der ästhetische Staat ist, wie Schiller es ausdrückt, weder „Naturstaat", noch „Vernunftstaat", sondern ein Staat, in dem die Menschen aus künstlerischer Einsicht so handeln, wie es für alle am besten ist. Selbst die legislative und exekutive Gewalt, die der Staat zwangsläufig ausüben müsse, um seine Bürger zu schützen, nehme idealtypisch immer mehr ab dem Maße nach, wie die Menschen Gesetze verinnerlichen und aus dem Streben nach moralischer Schönheit und Vollkommenheit befolgen. Wird der Mensch ästhetisch erzogen, so Schiller, so muss der Staat kein Zwangsstaat werden, der seine Bürger zu ihrem Glück zwingt.
Die Menschen lernen spielerisch, moralisch zu handeln und auf diese Weise schön zu werden - das war die Idee der ästhetischen Briefe, die Schiller 1794 an den Prinzen Friedrich Christian von Schleswig-Holstein-Augustenburg schrieb.
